7. Oktober 2011
Berlin und seine Bewohner sind weltoffen. Das spüre ich sogar als Imker im beschaulichen Köpenick. Das illustriert dieses kleine Erlebnis: Ich stehe am Straßenrand entlade meinen Wagen. Da kommt eine Dame mittleren Alters vorbei, schaut in die offene Klappe und sieht mehrere übereinanderliegende Säcke mit Zucker, die ich zuvor aus dem Zuckerlager geholt hatte.
Da fragt sie mich: “Was machen Sie denn mit dem vielen Zucker?”
Und noch ehe ich antworten kann, hat sie auch schon eine Antwort gefunden: “Ach, es ist ja Zuckerfest!”
Ich frage erstaunt zurück: “Zuckerfest?” und sie erklärt: “Ja, Jom Kippur!”
Kategorie Standort Berlin | 0 Kommentare »
6. Oktober 2011
Das Bienenjahr ist in unserer Imkerei nun fast abgeschlossen. Die Heidevölker bekommen noch Futter aber sonst war’s das mit den Bienen. Das Honigjahr war insgesamt gut.
Schon im Frühjahr gab es reichlich Honig. Die Frühjahrsblüte ist dieses Jahr reich an Ahornhonig. Jedenfalls ist der Ahorn deutlich herauszuschmecken. Obst ist wenig drin, was wohl an dem verheerenden Frost am 5. Mai lag. Trotzdem ist die Robinie an unserem Wanderplatz nicht erfroren. Der Raps blühte zeitgleich mit der Robinie. Das Ergebnis war ein Honig, der einfach nicht kristallisieren wollte. Trotzdem hat das Honiglabor in Hohen Neuendorf 88 % Rapspollen und nur 2 % Robinienpollen gezählt.
Die erstmals angewanderte Edelkastanie war ein Desaster. Aber die soll generell nicht gut ausgefallen sein. Alles was danach kam, war gut. Die Linde dieses Jahr schwächelte ein klein wenig. Doch das kann auch daran gelegen haben, dass ich mir meinen Standplatz hier in Berlin erstmals mit einem Bioland-Imkerkollegen und seinen 40 Völkern teilte. Die Sonnenblume übertraf unsere inzwischen sehr bescheidenen Erwartungen. Der Herbst war abgesehen von der Goldrute durchschnittlich.
Das Zuchtjahr hingegen war ausgesprochen schlecht. Wir haben unser Zuchtziel nicht erreicht. Die Begattungsrate lag bei rund 50 %. Sonst haben wir so um die 70 % bis 80 %. Daher werden wir mit einer ganzen Reihe blauer Königinnen in die Saison 2012 starten.
Kategorie Wandern, Zucht | 0 Kommentare »
1. Oktober 2011
Waldhonig gibt’s bei uns in Berlin und auch im Umland nicht oder nur höchst selten. Weil das so ist, kaufe ich Waldhonig aus der Nürnberger Gegend zu. Deshalb besuchte ich heute meinen Lieferanten.
Dieser Bioland-Kollege hatte gerade Besuch von einem Imkerfreund. Der ist ein pensionierter Förster. Beide hatten sie meine Serie in der ADIZ zum Thema Vermarktung gelesen. Da berichtet der Förster, dass er gemeint hat, auch etwas für die Honigvermarktung tun zu müssen, indem er das Schild “Honig aus eigener Imkerei” aufgehängte. Kunden habe er damit nicht angelockt, sondern einen Kontrolleur vom Eichamt. Der wollte gleich mal überprüfen, ob die Wage des Imker-Försters auch richtig funktioniert.
Kategorie Honig, Vermarktung | 0 Kommentare »
25. September 2011
Wir bilden unsere Ableger aus einer Brutwabe. Immer wieder ist zu lesen, dass das nur im zeitigen Frühjahr, d.h. Ende April/Anfang Mai funktioniert. Das deckt sich nicht mit unseren Erfahrungen. Auch noch Mitte Juni kann aus einer Wabe bis Ende September ein überwinterungsfähiger Ableger werden. Allerdings nur, wenn er schön gleichmäßig gefüttert und ordentlich gegen die Milbe behandelt wird.

8 Wabengassen füllt dieser Ableger aus. Er hat eine überwinterungsfähige Stärke erreicht.
Kategorie Zucht | 0 Kommentare »
15. September 2011
Letztes Jahr fiel die Heidetracht aus. Vorletztes Jahr war sie überwältigend. Heuer sieht es nach einem durchschnittlichen Jahr aus. Wir holten heute unsere Völker zurück. Letzte Woche war schon die Goldrute dran mit einem ganz bescheidenen Ergebnis.
Für die Goldrute hatten wir dieses Mal auf eine Fernwanderung in den Landkreis Leipzig verzichtet und sind nur innerhalb Berlins gewandert. Auch dort gibt es auf Eisenbahngelände riesige Flächen mit Goldrute. Doch leider war das sehr Ergebnis enttäuschend. Unsere Imkerei wandert seit 2003 von Berlin aus in die Goldrute. Erfahrungsgemäß hätte die Ernte eigentlich gut sein müssen, denn wir hatten ja einen wahrlich verregneten Sommer. Nächstes Jahr müssen wir wohl wieder in den Süden.
Kategorie Honig, Standort Berlin, Wandern | 0 Kommentare »
25. August 2011
Besuch bei einem Kunden mit eigenem Etikett. Eine Reihe von Kunden wollen den Honig, den sie aus unserer Imkerei beziehen, nicht mit unserem Aufkleber. Das hat Vorteile: Diesen Honig gibt es dann nur bei ihnen und kann von Kunden nicht mit anderen verglichen werden. Es lassen sich damit auch höhere Preise erzielen, d. h. konkret in der Regel 5 € für ein 125-Glas.
Normalerweise liefern wir den Honig verkaufsfertig und dann stimmt auch alles, denn wir haben die Technik und das Wissen dafür. Wenn ein Kunde den Honig lose möchte, um ihn selbst abzufüllen, dann kommen schon Zweifel auf, ob er das auch richtig macht. Die Zweifel sind berechtigt, wie ich heute sehen musste, denn auf den ersten Blick erkenne ich, dass wo 125 Gramm draufsteht, nur 100 bis 11o Gramm drin sind. Das Glas soll auch nur 3 € kosten. Dann doch lieber uns machen lassen, 5 € nehmen und alle sind glücklich.
Kategorie Honig, Kunden | 0 Kommentare »
23. August 2011
Auch das gibt es in Berlin: Ein Imker schaut in seine Beute und alle Bienen sind weg. Nur wo sind sie hin? Vielleicht entrückt oder doch nur aufgrund des Milbendrucks abgehauen?
Heute haben wir einen 500g-Schwarm an einem ECE-Einkaufszentrum in Hohenschönhausen eingefangen. Das könnte so ein verschwundenes Bienenvolk gewesen sein. Er hing an einem Rohr unter dem First einer dieser Garagen, in der die Einkaufswagen aufbewahrt und gegen einen Chip ausgelöst werden können. Die Center-Leitung hatte für mich eine Haushaltsleiter genau unter die Bienentraube gestellt. Schon beim ersten Draufschauen fallen mir Milben auf, die auf der Trittfläche ganz oben liegen. Die Bienen machen überhaupt einen ganz elenden Eindruck. Immer wieder fallen welche runter und bewegen sich ganz langsam. Es ist aber nicht das Paralyse-Virus sondern wahrscheinlich einfach nur der Hunger.
Zurück in der Imkerei erhalten die Bienen erst einmal eine Dusche mit Milchsäure und anschließend füttere ich sie. Und siehe da, sie werden gegen Abend richtig munter. Wir nehmen die Bienen erst einmal in Quarantäne und entscheiden dann, was mit ihnen passieren soll.
Kategorie Bienengesundheit | 0 Kommentare »
15. August 2011
Wenn wir Imker schon einen Teil des Wintervorrats an Honig den Völkern entnehmen, müssen wir ihnen auch einen guten Ersatz liefern. In der Bienenpresse heißt es seit Jahren, dass Fertigfutter das Maß der heutigen Dinge ist. Bei Bio ist das etwas anders. Zwar gibt es auch Bio-Fertigfutter, doch das ist entweder kaum zu bekommen oder es macht arm. Also müssen wir Zucker auflösen. Früher haben wir das in einem alten Waschkessel gemacht, doch der hatte ein so geringes Fassungsvermögen, dass es lange dauerte, bis die für 60 Völker plus Ableger erforderlichen Futtermengen bereitet waren.
So machen wir es heute: Wir lösen den Zucker in einem Wasserfass auf. Dazu schütten wir zuerst mit unserer Solaranlage erwärmtes heißes Leitungswasser in das Fass und dann den Zucker dazu. Um uns das mühsame Rühren zu ersparen, tauchen wir eine Schmutzwasserpumpe ein und lassen die einige Stunden den immer zäher werdenen Sirup pumpen. Dabei löst sich aller Zucker auf. Mit der Pumpe konnen wir dann auch das Zuckerwasser in Gefäße füllen. Diese transportieren wir dann zu den Bienenständen in Berlin und füttern unsere Bienen.

Sack um Sack Biozucker schütten wir in ein Regenfass, um mit Wasser Futter zu bereiten.
Kategorie Bio-Zertifizierung | 0 Kommentare »
5. August 2011
Heute beginnen wir damit, den Sonnenblumenhonig zu ernten. Es ist ganz erfreulich, was wir da aus den Honigräumen zutage fördern. Nach zwei Jahren ohne diese leicht säuerliche, zitronige Spezialität können wir heuer dieses herrlichen Honig wieder unseren Kunden anbieten.

Da strahlt der Imker. Da leuchtet der Honig. Die Sonnenblume hat gehonigt.
Kategorie Honig, Wandern | 0 Kommentare »
29. Juli 2011
Heute ruft mich ein Käufer meines neuen Buches “Bienenprodukte erfolgreich verkaufen” an. Er will wissen, was besser sei, Biohonig oder Honig im DIB-Glas.
Wie im aktuellen Geschäftsbericht des DIBs nachzulesen ist, gab im vergangenen Jahr die gehässige Werbeanzeige eines BIO-Imkers, der meinte die Kollegen vom DIB herabsetzen zu müssen. Dann wurde sein Honig getestet und er fiel bei der Qualitäsprüfung durch. Damit ist eigentlich alles gesagt.
Der Unterschied ist, dass bei Bio-Honig der Prozess nach einem festgelegten Kriterienkatalog erfolgen muss und geprüft wird. Beim Honig im DIB-Glas wird ausschließlich das Endprodukt untersucht. Betriebswirtschaftlich ausgedrückt, geht es beim DIB um Qualitätskontrolle und bei Bio um Qualitätsmanagement. Das sind 2 ganz unterschiedliche Ansätze.
Wenn ein Kunde “Bio” kauft, dann will er nicht nur Honig. Er will auch, dass die Prozesse umweltverträglich und nachhaltig ablaufen, die zur Honigproduktion gehören. Wie das Beispiel aus dem Geschäftsbericht zeigt, machen Holzbeuten und unbeschnittene Königinnen allein noch keinen guten Honig, wenn der Imker anderswo z. B. beim Wassergehalt oder der Sortenbezeichnung schlampt.
Kategorie Bio-Zertifizierung, Honig | 0 Kommentare »
24. Juli 2011
Nun ist ja die Schwarm- und Nachzuchtzeit ja glücklicherweise seit einem Monat vorbei, doch die lieben Ableger schreien immerzu “Hunger! Wo bleibt das Essen?” So rennen wir alle 3 bis 4 Tage mit dem Futtereimer über den Bienenstand und stopfen hungrige Bienenmäuler.
Wir bilden Ableger mit einer Brutwabe. Wenn sie begattet werden, sind sie natürlich ziemlich schwach, doch bei liebevoller und hingebungsvoller Pflege füllen sie bis zum Ende des Sommers eine komplette Zarge aus.

Wer groß uns stark werden will, muss kräftig essen.
Kategorie Bienengesundheit | 0 Kommentare »
5. Juli 2011
Heute bekamen wir von unserem Glashändler aus München eine Palette 125 g-Gläser geliefert. Dabei kam es zu einem schweren Unfall. Als der Mitarbeiter der Spedition die Palette mit der als Lift funktionierenden Heckklappe herabließ, bauten sich Schwingungen in der Palette auf. Sie kam durch das Geruckel regelrecht ins Tanzen und drohte umzukippen. Der Arbeiter merkte es und wollte die Palette auffangen. Doch eine Tonne Glas hält man nicht einfach so mit der Hand auf. Die Palette kippte und landete in der Einfahrt. Dabei wurde der Arbeiter am Arm schwer verletzt.
Ich habe ihn ins Unfallkrankenhaus der Berufsgenossenschaft nach Marzahn gefahren. Dann waren mein Mitarbeiter, ich und noch der Praktikant eines Kollegenbetriebes den ganzen Tag damit beschäftigt, die losen Gläser von der Straße zu sammeln und in Kartons umzuladen.

Ein Verletzter und 100 zerbrochene Gläsern sind die Bilanz dieser Havarie.
Kategorie Lieferanten | 0 Kommentare »
3. Juli 2011
Nachdem wir einige Jahre hintereinander ganz schlechte Ernteergebnisse bei der Wanderung in die Sonnenblume erzielt haben, verzichteten wir die vergangenen 2 Jahren auf diesen Honig. Wir haben erfahren, dass es im Oder-Spree-Kreis eine Ecke geben soll, wo noch alte Sorten angebaut werden. Über Umwege und Beziehungen haben wir einen Landwirt ausfindig gemacht, an dessen Feldrand wir die Völker stellen können.
Wir fahren heute 2 Hänger voller Bienen hin. Ursprünglich war ja geplant gewesen, die Bienen in den Buchweizen zu fahren, doch ein Imker, der uns einen Standplatz versprochen hatte, hat selbst keinen gefunden. Daher gibt es dieses Jahr keinen Buchweizen, dafür aber hoffentlich eine nennenswerte Menge Sonneblumenhonig.

Unsere Bienen wandern und marschieren nicht. Daher müssen sie auch nicht in Reih und Glied stehen sondern dürfen lockere Zweiergrüppchen bilden.
Kategorie Wandern | 0 Kommentare »
24. Juni 2011
Es ist doch immer wieder ganz erstaunlich, was meine Bienen so können. In zusammenarbeit mit einer der angehenden Produktdesignerin Johanna Keimeyer haben meine Bienen einen Honiglöffel aus Wachs gearbeitet. Dieser wurde dann galvanoplastisch versilbert.
Außerdem haben meine Bienen auch eine Vase hergestellt, die allerdings die Kopie einer Arbeit des holländischen Künstlers Thomas Libertiny ist. Hier gibt es weitere Informationen.

- Formschön und edel ist dieser von unseren Bienen gestaltete Honiglöffel. Foto: Keimeyer
Kategorie Honig, Standort Berlin | 0 Kommentare »
23. Juni 2011
Heute haben wir unsere Bienen aus der Edelkastanie geholt. Mit dem Ergebnis sind wir nicht zufrieden. Im Vergleich zur Linde, die zeitgleich blüht, sind unsere Erträge recht bescheiden ausgefallen. Das nächste Jahr werden wir einiges ändern:
Wir wandern in 2012 nicht mehr mit 2 Zargen Brutraum und einer Zarge Honigraum an sondern nur noch mit einer Brutraumzarge und einem Honigraum. In den Honigraum kommen volle Brutwaben. Wenn die Brut ausläuft, dann füllen die Bienen den Platz mit Kastanienhonig. Das haben sie nämlich auch jetzt gemacht. Die Honigräume hätten wir zuhause lassen können. Außerdem müssen wir das nächste Mal früher hin. Wir wir uns haben sagen lassen, honigt die Edelkastanie zur Beginn der Blüte am meisten.
Kategorie Honig, Wandern | 0 Kommentare »