Werbebanner zum Buch: Marc-Wilhelm Kohfink, Bienen halten in der Stadt

Tiny Houses Movement in Pankow

2. Dezember 2014

Den zugereisten Schwaben wird hier mitunter vorgeworfen, sie seien überheblich. Sie würden denken, dass in der Hauptstadt alles so sein müsse wie bei ihnen zuhause im Südwesten. Bisher habe ich das für Quatsch gehalten. Heute habe ich mich aber selbst dabei ertappt. Das kam so:

Wenn ich als Grundschulkind mit meinem Vater im Winter an bewohnten Gartenlauben vorbeikam, sagte er mit ernster Stimme:  „Die wurden in Stuttgart ausgebombt und sind hier wohnen geblieben“.  Dann kam der Bulling-Erlass und die Leute zogen in richtige Häuser um. Wohnen in der Gartenlaube – das ging nicht mehr.

Heute musste ich um 10.00 Uhr  in Pankow in der Schönhauser Straße 24 etwas für meine Königinnenzucht-Station abholen. Doch da ist nur eine Kleingartenanlage. Im Winter vermutete ich hier niemanden. Also rufe ich noch mal an, ob die Adresse stimmt. Sie stimmt. Also rein in die KGA, wo richtig etwas los ist: Leute führen ihre Hunde spazieren, rüsten sich für’s Wegfahren mit dem Auto oder plaudern in Pantoffeln mit dem Nachbarn. Ich frage einen Herrn: „Wohnen Sie hier?“ „Ja!“ Später wird mir klar: Bulling war ja Regierungspräsident in Stuttgart und das hier ist das Tiny Houses Movement von Pankow. Baukünstlerisch betrachtet, muss allerdings angemerkt werden, dass aus Stuttgart wohl doch die besseren Architekten kommen. — Oops, schon wieder so eine Überheblichkeit.

Nachfrage über Vorjahr

29. November 2014

Am Mittwoch war auch heuer Adventsmarkt in einer Begegnungsstätte für Senioren. Heute war die nämliche Veranstaltung in einer Schule. Beides Mal lagen die Verkäufe 20% über Vorjahr. In den letzten Jahren war der Honigabsatz bei den Weihnachtsmärkten kontinuierlich gesunken. Die Erklärung damals: Seit Premium-Honig immer mehr zum Ganzjahresprodukt wird, decken sich die Leute vor Weihnachten nicht mehr so sehr mit der süßen Ware ein. 2014 ist es anders: Weil viele Imker aufgrund der schlechten Ernte schon ausverkauft sind, dürfen sich jetzt diejenigen freuen, die noch liefern können.

 

Krieg der Bienenkistler

17. November 2014

Johannes Weber stellte heute in der Versammlung des Imkervereins Kreuzberg seine Bienenbox vor. Früher hieß die Lagerbeute mit Kuntsch-hoch-Rähmchen mal Balkonbeute. Er habe vor einigen Jahren mit der Bienenkiste und der „wesensgemäßen Imkerei“ angefangen, dann aber gemerkt, dass das auch besser gehen müsste. Daraufhin hat er eine eigene Beute konstruiert, die er nun in Serie bauen lässt und vertreibt. Wie das alles geht, hat er als Stipendiat irgendeines Kurses für ökologisches Management gelernt.

Weber schildert an diesem Abend auch, was seine ehemaligen Bienenkisten-Freunde alles unternommen hätten, um den Vertrieb seines Produktes zu erschweren. Denn Weber beherrscht die Klaviatur des Internet-Marketings so gut wie die Bienenkistler und die ärgern sich natürlich über den Wettbewerber. Aber es gab auch bei der heutigen Versammlung kritische Töne. Weber wird gefragt, ob die Bienenvölker in seiner Beute auch so schnell wie in der Bienenkiste eingehen. Daraufhin sagt er, dass das natürlich nicht passieren dürfe, denn tote Bienenvölker hätten keinen „ökologischen Impact“ mehr. Wir merken eines deutlich: Die Management-Kurse haben gewirkt.

2014 war ein schlechtes Jahr

14. November 2014

Bioland-Imkertagung Ost in Müncheberg. Wir schauen uns erst die Imkerei Mohr & Müller an. Dann reden wir über Bioland und das Imkern. Kollegen teilen unsere Einschätzung, dass 2014 ein schlechtes Jahr war. Robinie und Kornblume fielen fast komplett aus und auch die Linde blieb deutlich hinter den Vorjahresergebnissen zurück. Eines ist ja beruhigend: Wenn es anderen genauso ihn ihrem wie uns in unserem Betrieb ging, liegt es nicht an unserer Unfähigkeit.

Imkerverband Berlin wird professioneller

7. November 2014

Am Abend Vertreterversammlung des Imkerverbandes Berlin. Der neue Vorstand hat sich seit dem März gut eingearbeitet. Ab Januar gibt es eine Geschäftsstelle. Dort wird der Kassenwart die laufenden Geschäfte erledigen. Das ist eine prima Idee, denn als technischer Angestellter der FU hat der jetzige Vorsitzende nicht die Möglichkeit, Mitarbeiter für den Verband arbeiten lassen. Nicht so ideal finde ich den Umstand, dass der gewählte Kassenwart dann auch Angestellter des Verbandes sein wird. Das ist rechtlich zwar möglich („geschäftsführendes Vorstandsmitglied“) aber es bedeutet auch, dass sich die beiden Ebenen Ehrenamtliche und Hauptamtliche vermischen. In Vereinen stellen die Ehrenamtliche die Hauptamtlichen ein und entlassen sie. Da ist es nicht gut, wenn sich beides vermischt.

Der Vorsitzende will das aber so, weil er der Meinung vertritt, dass sich ohnehin im Verband niemand fände, der die Kasse führen wolle. Komisches Argument, wenn nie einer gefragt wurde.

Ausbilder bewundern Dachbienen

6. November 2014

Am Länderinstitut in Hohen Neuendorf ist eine zweitätige Ausbildertagung. Das sind Imker, die eine klassische Imkerausbildung durchlaufen haben und daher auch selbst Imker ausbilden dürfen – also nicht solche Quereinsteiger wie ich. Es ist ihr Wunsch, einen Erwerbsimker kennen zu lernen, der auf Dächern Bienen hält. Ich suche den Bienenstand auf dem Steigenberger Hotel am Bundeskanzleramt heraus, weil er trotz Bahnstreiks gut zu erreichen ist. Es steht direkt am Hauptbahnhof. Außerdem ist das Dach von einer  2,50 m-hohen Mauer umgeben, so kann garantiert keiner herunterfallen.

Das Hotel lädt alle zu Kaffee und Kuchen ein, was sehr nett ist. Für mich ist es ein Wiedersehen mit einigen Imkern, die ich schon etliche Monate nicht mehr gesehen habe.  Dann führe ich die Leute auf das Dach und erkläre das Geschäftsmodell, welches hinter der Dachimkerei steht. Im Anschluss reist die Gruppe weiter zu Annette Müller („Bärengold GmbH“) und informiert sich über deren Vertriebsmodell für Berliner und Brandenburger Honig.

Honig verzweifelt gesucht

27. Oktober 2014

Zur Mittagszeit klingelt es an der Türe. Ein freundlicher Herr stellt sich vor, dass er von Breitsamer & Ulrich komme. Auf meine Frage, ob er beruflich oder privat komme, entgegnet er, dass er beruflich auf der Suche nach Honig sei. Über meine Imkerei ist er bestens informiert. Ich erkläre ihm von der schlechten Ernte in diesem Jahr und dass ich jedes Kilo Honig selbst brauche. Und so geht er ohne Honig und hat die ganze Fahrt von München hierher umsonst gemacht.

Bienensauna verspricht gesundere Bienen

21. Oktober 2014

Heute bin ich zu einer Demonstration der so genannten Bienensauna eingeladen. Sie fand auf dem Dach des Kraftwerkes Mitte statt, wo meine geschätzte Imkerkollegin Erika Mayr sechs ihrer Bienenvölker aufgestellt hat. Die Sauna funktioniert nach einem schon länger bekannten Prinzip. Milben werden bei Temperaturen von knapp unter 40°C abgetötet, während Bienen mit 42°C noch gut zurecht kommen. Wird also eine mit einem Volk besetzte Beute auf Temperatur gebracht, geht’s den Milben an den Kragen. Nun hat ein Schweizer aus Schweden ein neues Produkt auf der Basis dieses Prinzips entwickelt – die Bienensauna.

Das Gerät besteht aus einem Boden, in den zwei Heizelemente und zwei Ventilatoren sowie diverse Drähte, Fühler und allerlei anderer Elektronik-Kram eingebaut ist. Darauf stellen wir eines von Erikas Völker. Weil es kalt ist, dauert es zwei Stunden bis die Hartpor-Beute  soweit aufgeheizt ist, dass die Milben abfallen. Sie sind gut auf dem feinen Gitterrahmen zu sehen, der über dem Heizboden und unter der untersten Zarge liegt. Die Milben sollen ja schließlich nicht in die Elektronik fallen und die Luft soll ungehindert in der Beute zirkulieren können. Der Apparat funktioniert. Ich bestelle so ein Ding. Charmant daran ist, dass die Bienen jederzeit behandelt werden können. Weil nur Wärme eingesetzt wird, können die Bienen ohne Wartezeit für die Tracht genutzt werden. Das unterscheidet die Methode von der Varroabehandlung mit organischen Säuren.

Bienensauna

Das ist nur der Prototyp. Wie die Bienensauna dann wirklich aussieht, das bleibt eine Überraschung.

 

Germknödel mit Pesto

9. Oktober 2014

Vom 7. bis 12.10. ist Berlin Food Week. Dabei geht es um innovative gastronomische Konzepte. Heute ist „Food Night“, eine Abendveranstaltung im ehem. Kaufhaus Jandorf. Schon früher einmal sind mir die Kartuschen mit den Bienen an der Fassade positiv aufgefallen. Drinnen geht es zu wie im Bienenstock.

Die fleißigen Kellner bringen ständig Tabletts mit neuen kreativen Zubereitungen. Es gibt z. B. pikante Germknödel, die mit Ziegenkäse, Honig und Walnüssen gefüllt sind. Die Dampfnudeln hätten auch ohne die Pesto aus Rucola,   Kranbeeren und Cashewnüssen bestens geschmeckt.  Lecker war die japanische Variante von Kartoffelpuffern. Als nicht so geglückt empfanden wohl die meisten ein Getränk, dessen Hauptbestandteile aus Kokosmilch und roten Bohnen bestand.

Die Frage von Madamme Mallory: „Wieso ein Rezept ändern, das schon 200 Jahre alt ist?“ ist nicht grundfalsch gestellt.

Am Ausgang erhielten die Gäste ein TRYBerlin-Paket, das unverfälschte Berliner Lebensmittel wie z. B. Berliner Lindenhonig enthält.

Überraschungspaket: Berlin bietet kulinarisch mehr als Molle und Eisbein, z. B. köstlichen Lindenhonig.

Überraschungspaket TRYBerlin: Berlin bietet kulinarisch mehr als Eisbein, z. B. Weiße, Blutwurst, Grillsauce und köstlichen Lindenhonig .

In Spandau steht mein schönster Bienenstand

7. Oktober 2014

Heute besetzen wir den Bienenstand auf den Spandau-Arcaden mit vier kräftigen Ablegern.  Es ist unser schönster Bienenstand in Berlin, denn die für die Center-Dekoration zuständige Schauwerbegestalterin hat sich auch unseres Bienenstandes angenommen. Sie hat die Beuten mit einer braunen Bio-Lasur versehen, die Paletten darunter gelb lackiert, bunte Blumen angebraucht und große Sechsecke als Zellen aufgestellt. Dazu kommt ein Plakat, das die Besucher des Parkhauses darüber informiert, warum die Bienen da stehen und warum das gut für Spandau ist.

Als wir ankommen, ist schon richtig viel Presse versammelt. Damit haben wir nicht gerechnet, sonst hätten wir unsere Schutzanzüge vorher gewaschen.

Spandauarkaden

Spontan zum Erntedank auf die Insel der Jugend

5. Oktober 2014

In Berlin gibt es in Treptow eine „Insel der Jugend“. Die heißt so, weil dort ein Jugendheim steht. Daneben gibt es ein Ausflugslokal mit einem ambitionierten Jungwirt, der mich zu einem Erntedankfest eingeladen hat. Ich hatte heute nichts anderes vor und so sage ich zu. Die Atmosphäre ist sehr nett. Es sind viele Familien mit Kindern da. Besonders interessant sind aber die Begegnungen mit anderen Unternehmern aus der rasant sich entwickelnden Berliner Food-Szene.

Lerne Berlin kennen: Die schmale Abteibrücke ist als erste Stahlbetonbrücke ein technisches Denkmal führt auf die Insel der Jugend.

Lerne Berlin kennen: Die schmale Abteibrücke ist als erste Stahlbetonbrücke ein technisches Denkmal. Sie führt auf die Insel der Jugend.

Das Beste oder nichts

9. September 2014

Bei der Vertriebszentrale von Mercedes-Benz arbeiten neben meinen Bienen auch über 1.000 Mitarbeiter. Für letztere werden regelmäßig After-Work-Parties veranstaltet. Heute stehen die Bienen und der Honig im Mittelpunkt. Kollegin Erika Mayr liest aus ihrem Buch über die Stadtbienen und auch ich darf etwas sagen. Es gibt viel Lob für den „Sternhonig“, der zwei Tage zuvor an alle Mitarbeiter verteilt wurde. „Sternhonig“ haben sich die Leute von Daimler-Benz sogar als Marke schützen lassen.

Der Honig mit dem Stern für die Firma mit dem Stern.

Der Honig mit dem Stern für die Firma mit dem Stern.

Bioland-Kontrolle wieder bestanden

28. August 2014

Seit 2007 sind wir bei Bioland mit unserer Imkerei. Heute ist wieder Kontrolle. Wir haben alle Unterlagen vorbereitet und so geht es zügig durch die ganzen Formulare. Trotzdem schaut der Kontrolleur ganz genau hin. Besonders der Mengenfluss interessiert ihn dieses Mal. Dabei wird geprüft, ob die verkaufte Menge seit der letzten Kontrolle mit den Büchern (Rechnungen und Verkaufslisten) übereinstimmt. Es stimmt haargenau. Mein Betrieb sei vorbildlich geführt, meint der Kontrolleur zum Abschied.  Anschließend ist Kollege Oertel dran.

Zucht bekommt ein neues Zuhause

27. August 2014

Im Juli habe ich einen Zucht-Kurs beim Länderinstitut in Hohen Neuendorf besucht. Es waren außer mir lauter Belegstellen-Leiter und ähnlich qualifizierte Imker da. Schnell wurde mir klar, dass unsere Imkerei noch besser bei der Nachzucht und Vermehrung von Bienenvölkern werden kann. Eigentlich ist ein richtiges kleines Gebäude notwendig, in dem bei bester Beleuchtung z. B. umgelarvt werden kann. Außerdem könnten dort z. B. mit CO2 Bienen für Begattungskästchen narkotisiert und dann gleich am Bienenstand aufgestellt werden. Der Arbeitsschritt „Kellerhaft“ entfiele.

Meine diesjährige Praktikantin lebt in der Wuhlheide in einer Bauwagen-Siedlung und überzeugt mich davon, dass sich ein gebrauchter Bauwagen für den Zweck herrichten ließe. Die kosten heute ab 1000 € aufwärts. Sie macht aber über ihr Netzwerk einen für nur 300 € in Lutherstadt Wittenberg ausfindig. Ebenfalls über ihr Netzwerk findet sich ein Rollheimer, der mit einem LKW von Halle nach Hamburg umzieht und den Bauwagen anhängen und liefern kann. Leider platzt unterwegs ein Reifen. Mit dem Reserverad des LKW (Baujahr 1965) wird der Anhänger wieder flott gemacht und kommt schließlich um kurz vor Mitternacht an. Jetzt braucht das tonnenschwere Ding ein neues Rad, muss aufgearbeitet werden und kann dann hoffentlich im Frühjahr 2015 in Betrieb gehen.

Cremiger Honig durch Ultraschall

21. August 2014

Fortschrittliche und innovative Unternehmen wie z. B. 3M lassen ihre Mitarbeiter an eigenen Projekten arbeiten, aus denen dann vielleicht eines Tages marktfähige Produkte werden könnten. Das gibt es auch bei Hielscher Untrasonics in Teltow. Das liegt im Süden von Berlin. Ein Mitarbeiter hatte die Idee, hart und grob kandierten Honig durch Ultraschall in Cremehonig zu verwandeln. Der Ultraschall soll das Kristallgitter zertrümmern und die Kristalle pulverisieren. Heute testen wir einen halben Tag mit Rapshonig. Den habe ich vorher etwas warm gemacht, damit er überhaupt fließt. Zuerst läuft der Honig durch ein schräg gestelltes Rohr. Auf dem Rohr sitzt die Ultraschallquelle und bringt das Rohr zum vibrieren. Es ist ein lautes Brummen zu vernehmen. In einer zweiten Anordnung läuft der Honig durch einen Glaszylinder, in dem ein kleinerer Zylinder sich befindet, der mit der Quelle verbunden ist.

Der Honig wird nach mehrmaligem Durchlaufen nur etwas wärmer und dadurch weniger viskos. Kristalle bleiben aber immer noch schmeckbar.

Macht Ultraschall Honig cremig? Beim ersten Versuch jedenfalls noch nicht.

Macht Ultraschall Honig cremig? Beim ersten Versuch jedenfalls noch nicht.